Leseliste Numero Uno

leseliste6Freunde, der Januar hat mich schlichtweg überrollt. Ist es wirklich schon 2017 und ist der erste Monat tatsächlich schon um? Wo ist die Zeit geblieben? Neue Artikel zu schreiben, habe ich tatsächlich immer auf die lange Bank geschoben. Eine Essay Abgabe, die Rückkehr nach London, Unianfang und zwei Arbeitstermine lähmten schlichtweg die Tipp Finger. Hinzu gesellte sich dann noch die Angst, dass das ganze hier nur eine Eintagsfliege gewesen wäre. Ob das so ist, kann ich immer noch nicht sagen und die Ideen sprudeln gerade tatsächlich nicht so heraus, aber ein paar schöne Entdeckungen des letzten Jahren möchte ich mit euch teilen. Wem der Januar ähnlich zugesetzt hat wie mir–Trump, Muslim Ban, etcpp. tragen auch ihre Schuld–der sehnt sich vielleicht auch nach ein paar Momenten Gedankenferien oder externer Beschallung. Es folgen also ein paar Texte, die ich besonders interessant fand, eine Dokuempfehlung und das wohl für mich persönlich einflussreichste Buch des letzten Jahres. Und noch ein oder zwei Artikel, die vergnüglich oder nachdenklich daher kommen, aber garantiert nicht langweilig sind (wenn man denn dann meinem Geschmack vertrauen mag).

Hypernormalisation (eng)
Eine Doku von Doku-Meister Adam Curtis. Eine, die man bestenfalls in zwei Teilen schaut, weil man sonst wohl droht verrückt zu werden, so abgefahren unrealistisch scheinen einem die von Curtis aufgezeigten politischen Kalküle der letzten Jahre – und dabei behauptet er die Realität abzubilden. Dort sieht man wie Libyen’s Gaddafi entweder zum Erzfeind oder Best Buddy erklärt wird – je nach Belieben und Nutzen und mit Hilfe von Politagenturen. Wie Flugzeugabstürze anderen Ländern angehaftet werden und wie all’ das Teil einer berechenbaren Meinungsmache ist. Wir leben in einer Welt, in der wir die  abscheulichen politischen Alltäglichkeiten als Normal hinnehmen und Curtis stellt diesen Zustand als Gewollt dar – da so die Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion, Ernst und Unwichtig verwischt. Die Doku ist künstlerisch gut gemacht und enthält ein paar interessante, interessante Sequenzen über Trump, die genauso wie eigentlich alles andere in der Doku einfach nur out of this world sind. 

The Art of Loving – Erich Fromm
Kontrastprogramm zur vorherigen Empfehlung, aber vielleicht ein erster Schritt, um die Welt ein bisschen besser zu machen? Nämlich in dem man bei sich selbst anfängt und von Fromm lernt, dass Lieben ein Handwerk ist, das gelernt, gepflegt und ausgearbeitet werden will. Nichts, was uns einfach so in den Schoß fällt. Und dabei bezieht sich Fromm nicht nur auf Liebesbeziehungen, sondern auch auf die zu Freunden, Eltern und sich Selbst. Egal in was für einer Situation man sich befindet, Fromm bietet einen wunderbaren Startpunkt zur Selbstreflexion an, ist sehr einfach geschrieben und lässt sich gut in kleinen Häppchen lesen.

Wo ist der Malaysian Airlines Flug – Zeit Online
Wegen dieses Artikels habe ich eine Verabredung 20 Minuten warten lassen. Ich wollte noch einmal schnell bei Zeit Online vorbeischauen und zack, draufgeklickt, angelesen und schon war ich im Bann dieser unfassbar interessanten Geschichte. Ein Hobbysucher begibt sich auf die Spuren des verschwundenen Malaysian Airlines Flug, verfolgt von den Behörden als unversprechend abgetane Spuren und–tata–findet als erster Wrackstücke an einer gänzlich anderen Stelle, als der an der für Millionen eine offizielle Suchaktion stattfindet. Ob man sich für den Fall an sich interessiert oder nur für Menschen, die nicht müde werden eine Idee zu verfolgen–dieser Artikel ist spannender als die meisten Krimis.

Aeon Artikel übers Arbeiten (eng)
Die Arbeitswelt, die Arbeitswelt. Wenig beschäftigt mich wohl derzeit mehr (gelogen, Trump!) als die Frage nach der Zukunft meines Arbeitslebens. Aeon ist sowieso eine erstklassige Seite, für alle die gerne Essays lesen, denn hier veröffentlichen Professoren Kurzfassungen ihrer wissenschaftlichen Arbeiten zu ganz unterschiedlichen Themen, zumeist sehr verständlich aufgearbeitet. Dieser über die Zukunft der Arbeitswelt stellt ein paar interessante Fragen, kommt visionär und gleichzeitig vorsichtig daher. In wie weit fänden wir es wirklich klasse nicht mehr arbeiten zu müssen?

Nationale Identität – Was ist eine Nation?
Gerade in unserer heutigen Zeit sollte diese Rede von Ernest Renan aus dem Jahr 1882 eigentlich in den Geschichtsunterricht als Pflichtlektüre aufgenommen werden. Als erster versucht er sich an einer Definition einer Nation – viel früher hat dieser Begriff nämlich keine Rolle gespielt. Verwunderlich, vor allem wenn man bedenkt, dass der Nationenstatus heute weltpolitisch der heiligste ist, um international Anerkennung zu gelangen (kritisches Hinterfragen dieser Systematisierung gewünscht!). Die Punkte, die er aufführt unterscheiden sich fundamental von den Ansprüchen, die heutzutage an eine solche gestellt werden. Lesen und Teilen, Leute. Bitte!

Another Knowledge is possible – Bonaventura de Sousa Santos (eng)
Was diesen Text angeht, habe ich wohl jegliche Objektivität verloren, wenn ich davon denn überhaupt je etwas besessen habe. Er war Grundlage meines Essays und beschäftigt sich mit alternativen Wissensquellen, die heutzutage durch den allgemeinen wissenschaftlichen Anspruch an solche, oft durchs Raster fallen und dementsprechend unterdrückt und vergessen werden. “Without epistemological justice, social justice is impossible” sagt Bonaventura de Sousa Santos da und wenn man darüber länger nachgedacht hat, leuchtet das sowas von ein.

Wenn ihr weitere Empfehlungen habt, können diese super gerne ergänzt werden!

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