I don’t want to be a tourist – Wait, what? // London #1

london1

[English version below]

Also, jetzt mal Hand aufs Herz: ich bin überfordert mit den Anforderungen, die ich mir beim Erkunden einer neuen Umgebung selber stelle. Ich möchte möglichst viel wissen, mich im Nachhinein bestmöglich auskennen und Auskunft geben können. Früher war ich so verpeilt, dass ich es meist erst vor Ort schaffte, den Reiseführer aufzuschlagen, wenn es denn überhaupt vorher zum Kauf eines solchen gekommen war. Mich hat das genervt. Mich hat es genervt keine Ahnung zu haben und die Hälfte der ersten Tage damit zu verbringen einen Plan zu machen. Gleichzeitig scheint das momentan wieder ganz cool zu sein: einfach mal treiben lassen und sich unter die Einheimischen mischen. The real experience eben. Dabei möchte ich es aber vermeiden in Tourifallen zu tappen, aber wie um Himmels willen schafft man das ohne entweder auf gut Glück etwas auszuprobieren oder sich vorher zu informieren? Ich möchte neues kennenlernen, aber gleichzeitig nicht als Touri gelten. Ich möchte den dort bereits länger Lebenden nicht das Gefühl geben, sie wie im Zoo zu beobachten, gleichzeitig habe ich aber diesen Wissensdurst in mir, der mich manchmal stundenlang in Cafes oder in Parks sitzen lässt nur damit beschäftigt, die Gegend zu scannen. Wann um Himmels willen ist es uncool geworden, interessiert zu sein? „Die ganzen Touristen schon wieder“ – ein Satz, der in Berlin, vor allem wenn man nahe der Warschauer Brücke gewohnt hat, fast täglich fällt.

Und jetzt bin ich selbst in dieser Position. Ich gehe langsamer als andere, weil ich kein Ziel habe. Ich trage eine Kamera um den Hals und bleibe manchmal unvermittelt stehen, weil ich mich orientieren muss oder einfach etwas gesehen habe, dass meine Aufmerksamkeit anzieht. Ich sehe irgendwo anders aus. Ich spreche anders. Ich bin nicht mit mir selbst beschäftigt, sondern verliere mich in der Umgebung. Mein Blick bleibt an Häusern, Schildern, Gesichtern hängen. Ich falle auf. Ich würde mich gerne erkenntlich geben: ich bin nicht hier, um pausenlos Fotos zu schießen, die ich später protzend meinen Freunden zeigen kann. Ich habe ehrliches Interesse: Wer seid ihr, was macht ihr, was treibt euch an, was beschäftigt euch? Ich möchte mich bald genauso selbstverständlich durch die Straßen bewegen wie ihr. Möchte den Laden um die Ecke kennen und den Obstverkäufer. Natürlich, ich könnte cool tun und einfach schnurstracks in den nächsten, hippen Laden laufen, auf mein Handy schauen und verstohlen hinter meiner Sonnenbrille das Treiben abchecken. Aber das will ich nicht. Ich möchte eine authentische Selbstverständlichkeit erreichen und ich möchte es genießen etwas richtig, richtig toll zu finden. Ich finde es gibt wenig schöneres als fasziniert zu sein und für einen Moment vor Glück fast zu platzen. Vielleicht werde ich nächste Woche mit einem Doppeldecker Bus an den Highlights Londons vorbeifahren. Aber nicht aus bloßer Konsumwut mit dem Ziel diese Punkte auf meiner „Must-See“ Liste abzuhaken, sondern weil ich verstehen will was diese Stadt prägt. Ich möchte mit dem Groben anfangen und dann in die Details gehen. Und ich verspreche mir hiermit, mich dabei nicht uncool zu fühlen. Ebenso werde ich in Zukunft nie wieder an überteuerten Cafés an bekannten Stadtecken vorbeigehen und denke „Ohje, diese ganzen Touris“. Ich werde sie mit einem Lächeln begrüßen und mich daran erfreuen, dass es Menschen gibt, die neues kennenlernen möchten – wie, ist jedem selbst überlassen.

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Well, let’s be honest for once: I am overwhelmed by all these expectations crushing down on me while discovering a new area. I would like to know every detail and have a good understanding of the area in order to share it with friends. Simultaneously, it is kind of uncool to do proper research in advance. Being spontaneous and hanging with the locals is what we do today. We call it “the real experience”. I would like to avoid tourist traps, but how do I do that without having the confidence to try things out in the first place? I want to discover new things, while not clearly acting like a tourist. I don’t want to stalk the locals, giving them an uncomfortable feeling by staring at them like zoo animals. But then there is this curiosity that leads to me sitting in cafes for hours just scanning the environment. When did it become out of fashion to be interested? “All those tourists again” – a sentence, that, especially having lived in one of the tourist hotspots in Berlin close to Warschauer Brücke, was dropped on a daily basis.

And now it is I in this position. I walk slower than others, because I don’t have a destination. I carry a camera and I stop abruptly from time to time because I got lost, or something caught my attention. I somehow look different. And I have an accent. I am not preoccupied with myself but get lost in my environment. I gaze at houses, signs, faces. People notice. I would like to come forward: I am not only here to take pictures. My interest is honest: who are you, what are you doing, what do you strive for, what do you dream about? I would soon love to move around as natural as you do. Of course I could act cool. I could walk straight into the next coffee place, acting busy, staring at my phone and furtively checking the scene from behind my sunglasses. But to be honest I don’t want to. I want all of this to develop naturally and I want to enjoy being really, really amazed. To me there is hardly anything better than being fascinated. I want to start with an overview, and then go further and further into detail. Next week I might even take one of the two-storey buses that take you to all of London’s sights. But not from sheer consumerism and a desire to tick all these off my “must-see” list, but because I would really like to know this city and what it’s made of.

And I hereby promise not to feel uncool. Neither will I walk by completely overpriced cafes thinking “Gosh, all these tourists” from now on. I will greet them with a smile and rejoice that there are people who are interested in experiencing something new – the question of just how to do that is everyone’s own choice.

13092016

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4 Gedanken zu “I don’t want to be a tourist – Wait, what? // London #1

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