Eine Lanze für die Unzufriedenheit // London #6

january-bluesEine mir sehr nahe stehende Person hat einmal zu mir gesagt, dass ich ein sehr unzufriedener Mensch sei. Der Kommentar hat mich zuerst schockiert, dann traurig und dann nachdenklich gemacht. Ich habe mir die Bemerkung wirklich zu Herzen genommen, habe in vielen Situationen danach an sie gedacht und mein Verhalten mit ihr abgeglichen. Im Großen und Ganzen hat die Bemerkung mich aber vorrangig verletzt. Denn mit dieser Aussage klang auch eine Art Vorwurf mit: du schätzt Dinge nicht genug wert. Du wirst immer unzufrieden sein, egal was du machst. Du hast keinen Sinn für Zufriedenheit und dein Hang zur Unzufriedenheit hat keine ehrliche Referenz, sondern ist lediglich ein Drang nach stetiger Veränderung, weil es irgendwo immer noch besser, größer, schöner ist. Du erreichst Ziele, um neue zu setzen ohne jemals anzukommen. Aber ist das wirklich so?

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Leseliste Numero Uno

leseliste6Freunde, der Januar hat mich schlichtweg überrollt. Ist es wirklich schon 2017 und ist der erste Monat tatsächlich schon um? Wo ist die Zeit geblieben? Neue Artikel zu schreiben, habe ich tatsächlich immer auf die lange Bank geschoben. Eine Essay Abgabe, die Rückkehr nach London, Unianfang und zwei Arbeitstermine lähmten schlichtweg die Tipp Finger. Hinzu gesellte sich dann noch die Angst, dass das ganze hier nur eine Eintagsfliege gewesen wäre. Ob das so ist, kann ich immer noch nicht sagen und die Ideen sprudeln gerade tatsächlich nicht so heraus, aber ein paar schöne Entdeckungen des letzten Jahren möchte ich mit euch teilen. Wem der Januar ähnlich zugesetzt hat wie mir–Trump, Muslim Ban, etcpp. tragen auch ihre Schuld–der sehnt sich vielleicht auch nach ein paar Momenten Gedankenferien oder externer Beschallung. Es folgen also ein paar Texte, die ich besonders interessant fand, eine Dokuempfehlung und das wohl für mich persönlich einflussreichste Buch des letzten Jahres. Und noch ein oder zwei Artikel, die vergnüglich oder nachdenklich daher kommen, aber garantiert nicht langweilig sind (wenn man denn dann meinem Geschmack vertrauen mag).

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Heilig Abend, wir müssen reden.

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Morgen Abend ist es soweit, der besinnlichste aller Tage, der Tag der Liebe und Glückseligkeit steht vor der Tür. Seit Wochen treibe ich mich in heimelig geschmückten Cafés, schön beleuchteten Straßen und auf Weihnachtsfeiern mit lieben Menschen rum. Die Vorweihnachtszeit ist mir tatsächlich eine der liebsten des Jahres, das Weihnachtsfest am 24. könnte mir dahingegen durchaus gestohlen bleiben. Von Medien und auch einigen Freunden wird mir vermittelt, dass an den Weihnachtstagen alles ideal sein wird – Familie, Liebe und Glückseligkeit, das schöne Gefühl nach Hause zu kommen, umsorgt zu sein. Ich will nicht sagen, dass das Gegenteil bei mir der Fall ist, aber doch eine deutlich abgewandelte Version. Diese treibt mir, trotz des vorhandenen Bewusstseins über die teilweise bloß scheinheilig ideale Familienfeier, jedes Jahr erneut ein paar Tränchen ins Auge. Man will meinen man gewöhne sich an wiederkehrende Umstände.

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RANT

NOCH IST ÜBERHAUPT NICHTS KLAR. BISHER STEHT FEST, DASS MENSCHEN GESTORBEN SIND, WEIL EIN LKW AUF EINEN WEIHNACHTSMARKT GEFAHREN IST. MEHR NICHT! TROTZDEM ÄUßERT SICH SEEHOFER, DASS DIE EINWANDERUNGSPOLITIK JUSTIERT WERDEN MUSS, MEDIEN VERÖFFENTLICHEN SOGAR DIE IDENTITÄT DES FESTGENOMMEN, OHNE AUCH NUR EINEN FUNKEN GEWISSHEIT, OB ES SICH UM DEN TÄTER HANDELT. WAS IST HIER LOS? BISHER NICHTS ALS SPEKULATIONEN, DIE SICH ABER SO LANGE ÜBERSCHLAGEN UND WIEDERHOLEN BIS SIE PLÖTZLICH WIE FAKTEN AUSSEHEN. MEDIEN UND AUCH WIR MÜSSEN ANFANGEN EIN BISSCHEN VERANTWORTUNG ZU ÜBERNEHMEN UND DEMUT VOR DER ZEIT, DIE ES NUN MAL BRAUCHT, UM EINE SOLCHE SITUATION ZU ERKLÄREN. DAS IST KEINE FUCKING WISSENSLÜCKE, DIE MAN PER MAUSKLICK UND BLICK IN EINE WIKIPEDIA-EINLEITUNG SCHLIEßEN KANN. aber klar, bubble, ich erreich ja sowieso nur die, die das auch wissen #rantover

25 // Politische Geburtstagsgedanken & ein Aufruf

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Heute bin ich 25 Jahre alt geworden. Ein viertel Jahrhundert auf dieser verrückten Erde, in diesem noch viel verrückterem Universum. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich auf einer persönlichen Ebene wohl noch nie so optimistisch ins neue Lebensjahr geblickt habe. Und gleichzeitig so düstere Zeiten erahnt habe. Was sich in den letzten Wochen, Monaten, Jahren politisch abgespielt hat und nun unumstößlich Jedermanns Realität geworden ist, statt eine dunkle Bedrohung, ändert mein Leben unweigerlich. Ich habe noch nie in meinem Leben mit so vielen Menschen über Politik gesprochen, wie im letzten Jahr. Mein Geburtstagstag fällt nämlich zufälligerweise auch auf die Ereignisse von Paris im Jahr 2015. Danach hat sich, zumindest gefühlt, sehr, sehr viel verändert. Politische Diskussionen und Positionen sind wenigstens am Küchentisch wieder salonfähig geworden. So gefragt, dass ich zeitweise sogar das Gefühl hatte, dass wir nur noch reden, um zu reden. Um politisch zu sein. Zumindest im Privaten. Wir sind eine deutsche Generation, die so darauf fokussiert ist, dass sich die Schreckenstaten des 20. Jahrhunderts nicht wiederholen, dass es uns fast unmöglich ist, kritisch zu sein. Unsere politische Einstellung zur Flüchtlingskrise ist schwarz oder weiß. Alles im Graubereich ist bereits nationalsozialistisches Gedankengut. Wir sind so weltoffen, reisen in ferne Ländern, spüren den sogenannten Weltschmerz, dass wir darüber vergessen haben, vor der eigenen Türe mal nachzusehen. Na klar, im Vergleich zur Gesamtsituation leben wir hier in Deutschland im reinsten Schlaraffen-Miteinander. Wir haben so lange eingetrichtert bekommen, dass jeder Mensch „gleich“ ist, dass wir blind geworden sind, Unterschiede zu erkennen, zu benennen und wertzuschätzen und daraus Kapital zu schlagen (eine bescheuerte Redewendung). Wir diskutieren mit Gleichgesinnten, aber sind eingeschüchtert, sobald jemand mehr Wissen hat. Nachfragen, und damit Schwäche in Form einer Wissenslücke zeigen, ist unvorstellbar. Wir reden zwar miteinander, aber wir bringen nichts hervor. Leere Worte. Überlegt euch mal wie viel Wissen in allen Menschen steckt. Wir können so viel voneinander lernen. Wir müssen uns nur trauen. In weit entfernten Ländern scheint das einfach zu sein, aber in unserer unmittelbaren Nähe erfahren wir Hemmung.

Ich habe in den letzten Tagen mit so vielen Freunden gesprochen, diskutiert und alle waren der gleichen Meinung (surprise): die Zeiten, in denen wir unpolitisch das Leben genossen haben, sind vorbei. Hier geht es in erster Linie, um die Zukunft unserer Generation. Ich bin vollkommen überfragt, wie wir daran gehen sollten. Arbeitsgruppen gründen, Parteien beitreten und mitmischen, politische Aktionen organisieren, sich für ein Thema einsetzen und dabei bleiben? Ich bin überfragt, bin ich doch nicht in der Lage zu priorisieren: welches Problem ist denn nun am wichtigsten? Kann ich das überhaupt alleine entscheiden? Wie nutze ich am meisten? Der gemeinsame Tenor all’ dieser Gespräche war eigentlich, dass wir uns irgendwie verbinden, zusammentun müssen. Gruppenarbeit. Auf Facebook verbunden sein und Artikel posten reicht einfach nicht mehr. Damit erreichen wir nur die, die bereits unsere Meinung teilen. Und hier geht es auch überhaupt nicht darum, „andere“ von unserer Meinung zu überzeugen, sondern erst einmal festzustellen, durch kritisches Hinterfragen und die Auseinandersetzung mit anderen Sichten, in wie weit unsere Meinung überhaupt stimmt und inwieweit wir wirklich eine Meinung haben. Also lange Rede kurzer Sinn: ich würde gerne etwas machen, nur was, das weiß ich nicht. Als Grundproblem dieser ganzen Unternehmung sehe ich, für meinen Teil, dass ich persönlich eigentlich gar keine Vision habe. Ich habe eine vage Ahnung von den Werten, die ich in Zukunft gerne etablierter sehen möchte, als Grundpfeiler unserer Gesellschaft sozusagen. Aber da hört es auch schon auf und das obwohl ich sonst wohl als fantasiereich beschrieben werden könnte. Woran liegt das? Daran, dass ich einfach keine Ideen habe? Dass es mir in meiner Blase gut geht? Dass ich nie dazu aufgefordert wurde über die Zukunft zu träumen? Dass ich die Formulierung von idealistischen Ideen mit einer populistischen Politik verknüpfe oder selbst denke, dass sich Ideale einfach nicht lohnen, werden sie doch sowieso nie erreicht. Gott bewahre, als Unrealist will man heutzutage nun wirklich nicht abgestempelt werden bei unserer ganzen Vernunft. Aber Ideale sind notwenig, um für etwas zu kämpfen. Ja, ohne sie funktioniert es vielleicht überhaupt nicht. Ich würde es mit diesen Idealen dann nach einem Kant’schen Konzept halten auf dass ich kürzlich gestoßen bin: der regulativen Idee. Das Ideal als Motor meines Handels, als Kontrolleur und Antreiber, als Maxime, die aber niemals, und darüber muss ich mir bewusst sein, hundertprozentig erreicht werden kann. Dieses Kant’sche Prinzip finde ich spannend, ist es doch so realistisch aber gleichzeitig auch konträr zu unseren Ansprüchen: „alles geben oder nichts“, hat sich mittlerweile doch zu „alles erreichen oder nichts“ entwickelt. Ohne die Aussicht auf voller Linie Erfolg zu haben packen wir heute nur noch wenig an. Und daraus ergeben sich zwei Fragen: ist das nicht das unrealistischeste von allen? Und wo ist dieses Selbstvertrauen, dass wir anscheinend in anderen Unternehmungen aufbringen können, um an ihre maximale Erreichbarkeit zu glauben, in unserem politischen Engagement?

Ich denke es würde uns alles gut tun, hier mal wieder ein bisschen verrückter zu werden, zu fantasieren und uns die schönste Welt auszumalen, die wir uns vorstellen können. Eine in der wir gerne alt werden möchten, die wir voller Stolz eventuellen Nachkommen oder auch nur anderen Erdenmitbürgern, die noch nicht geboren sind, zeigen würden. Also, statt beim nächsten Dinner über erfolgsversprechende Start-Up Ideen zu philosophieren, nehmt doch mal die deutsche Politik unter eure Fittiche und fantasiert was das Zeug hält. Malt in den schönsten Farben und schreibt den krassesten fiktionalen Roman, den eure Köpfe hergeben.

Wer Lust hat über genau solche Visionen eine Kurzgeschickte, ein Essay, eine Idee, ein Interview, irgendetwas in geschriebener oder von mir aus auch gezeichneter Form einzureichen, das dann eventuell irgendwann in einem gedruckten Buch erscheint, der meldet sich bei mir. E-Mail Adresse: annapepperspray@gmail.com oder per FB.

15112016

Die Schattenseite der Selbstverwirklichung // Oder: Schwärmen ist einfach. London #5

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Ich schwärme gerne. Ich schwärme oft und viel, aber wohl genauso oft beschwere ich mich auch, nörgele und bin überhaupt nicht zufrieden mit dem Status Quo. Die vergangenen 12 Wochen London (ZWÖLF) sind rasend schnell verflogen und der generell bisher vorherrschende Tenor ist durchaus positiv. Wie bereits in vergangenen Texten immer wieder angedeutet: hier erfüllt sich schon ein großer Traum. Einer, der schönerweise auf eine ebenbürtige Realität trifft. Und das macht natürlich vieles einfach. Nichtsdestotrotz habe ich mich in den letzten Wochen auch oft bescheiden gefühlt, habe die ein oder andere Träne rollen lassen, zuweilen auch ganze Bäche. Als ich diesen Blog begann, habe ich mich teilweise ein bisschen geärgert, denn in den vergangenen vier Jahren hatte ich wirklich viele Dinge, die hätten gesagt werden können. Jetzt im Nachhinein, wo alles ganz gut läuft, darüber zu schreiben, wie super es jetzt bei mir doch ausgekommen ist, ist kein allzu großes Hexenwerk. Die wirklich brutalen Realitäten, die diesem ganzen momentanen Glück zuvorgehen, schlummern nun friedlich in der Vergangenheit, eingereiht in die Schicksalskette des Lebens.

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Wieso London? Immer wieder London. // London #4

nussknackerIch bin wohl der schlechteste Tourist der Welt. Das war mir vorher schon klar, aber hier in London kann ich es nicht mehr leugnen. 8 Wochen bin ich nun schon hier, 8 Wochen Zeit einiges, einiges zu entdecken. Was mache ich stattdessen? Ich lümmele mich in meinem beschaulichen Peckham ein, gehe in die Bibliothek und verbringe Abende manchmal damit nur Serien zu schauen. Wenn es mir irgendwo gefällt, kann ich mich dort gut und gerne erstmal niederlassen ohne auch nur den geringsten Drang zu verspüren irgendetwas anderes zu tun. Die vergangenen zwei Wochen waren wohl so, über die Themse bin ich nur selten hinausgekommen. Es ist aber doch auch so schön hier!

Glücklicherweise habe ich nun dieses Wochenende Besuch bekommen und damit einen Grund auf Entdeckungstour zu gehen. Ich lasse mich da gerne führen und bekomme auch gerne etwas erklärt. Eine Touri-Eigenschaft kann ich nämlich besonders gut: staunen und begeistert sein. Möglicherweise liegt diese exorbitante Verblüffung, die ich da an den Tag legen kann, aber auch daran, dass ich sonst so ignorant gegenüber der ganzen Möglichkeiten bin. In so Momenten kippe ich regelrecht aus den Latschen und mein Gesicht gleicht dem eines Nussknacker kurz vor dem Einführen der Nuss.

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abschied.

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ich warte an der tür. 

schlitternd kommst du her. 
wissend, gleich ist es soweit. 
tumult der gefühle. 
stark sein, wertschätzen was ist.
ein blick, ein kuss, 
ein letztes mal berühren.
wärme.
konservieren und mit der erinnerung leben.
gleich. jetzt noch einmal realität.
gestochen scharfe augenblicke.
tschüss. 

der moment spannt sich. 
können wir noch kurz verharren?
wiederholen. 
als würde es den schmerz lindern.
stark sein. unterdrücken.  Weiterlesen

Von Goldklunkern und Scheißtagen // Retrospektive Süd-Südamerika

von-goldklunkern-und-scheistagenWenn man alleine die Welt bereisen möchte, muss man sich vorher ein paar mehr oder weniger konstruktiven Nachfragen stellen. Ob man nicht doch mit jemandem reisen möchte oder ob man dadurch nur seiner sozialen Unverträglichkeit hofiert zum Beispiel. Was die Freiheit einem beim alleine Reisen manchmal an Flexibilität schenkt, nimmt sie einem an anderer Stelle wieder mit bitterer Einsamkeit. Momente, in denen man sich selbst hinterfragt, sich für verrückt erklärt und zuweilen auch ein hämisches Grinsen des eigenen Hofnarren zu hören ist: so stark bist du also doch nicht, ha!

Genauso wie das Leben ist auch alleine Reisen nicht schwarz oder weiß, sondern kann durch zig verschiedene, unvorhersehbare Zufälle mal Betongrau oder Hell Rosé sein. Das der Übergang dazwischen fließend ist, hat, zumindest mich, das alleine Reisen ganz nachdrücklich gelehrt. Und das nach Betongrau gezwungenermaßen wieder Hell Rosé kommen muss. Die Frage ist nur wann. Eine reine Geduldsamkeitsübung also. Eine, aus der man wahre Goldklunker fürs echte Leben fischen kann. Weiterlesen

Vom Reisen und Verstehen // Retrospektive Süd-Südamerika

white-background-kopieVor zwei Jahren trat ich eine Reise an. Drei Monate Südamerika. Alleine. Ohne Plan. Es muss ungefähr im Mai gewesen sein, als ich quasi ohne darüber nachzudenken einen Flug nach Buenos Aires buchte. Zu der Zeit verbrachte ich bereits seit sechs Monaten fast jeden Tag in der Juristischen Bibliothek, um mein Gehirn an Paragraphen Zeichen aufgehängt, wenige Monate später in insgesamt 15 Stunden auf ein paar Blättern auszuleeren. Im September 2014 sollte der Spuk vorbei sein, genauso wie der Sommer, und ich endlich wieder frei. Ich beschloss also diese Reise anzutreten, mir meinen Sommer und noch mehr zurückzuholen und musste mir dafür einige Fragen gefallen lassen.

„Südamerika als Mädchen. Ist das nicht gefährlich?“, „Alleine? Wieso nimmst du niemanden mit?“, “Und danach?”, „Was bringt dir das?“. Es ist nicht so, dass ich keine Freunde habe mit denen ich gerne gereist wäre, es war nur einfach so, dass dieses verdammte Jurastudium einen so unmöglichen Zeitplan vorschrieb, dass zu der Zeit, als ich die Reise ins Unbekannte antreten konnte, schlichtweg niemand Zeit hatte. Natürlich, ich hätte ein Praktikum machen und warten können, aber ich wollte nicht. Ich spürte, dass ich diesen Lichtblick brauchte, diese Zeit direkt danach um zur Ruhe zu kommen und fand es für mich persönlich bekloppt die Erfüllung dieses Bedürfnisses von jemand anderem abhängig zu machen. Ein Fakt, der eigentlich normal sein sollte, aber auf erstaunlich viele verdutzte Gesichter traf – größtenteils skeptisch bis verständnislos.

Die meisten Reisenden suchen wahrscheinlich das Abenteuer, neue Eindrücke und Abwechslung zu dem was sonst Alltag bedeutet – Horizont erweitern, wie man so schön sagt. Ich flog noch Südamerika ohne Plan. Vier Wochen Buenos Aires und Spanisch lernen, dann mal sehen. Weiterlesen